Leserbrief zum Bericht "Umstrittener Hochwasserschutz" vom 16.06.2016

Die Verfasserin des Artikels zum regionalen Diskussionsforum in Höchstädt zum Thema Flutpolder und die Medien allgemein vermischen zunehmend die Auswirkungen von Hochwasser an großen Flüssen mit Sturzfluten an kleinen Bächen.

 

Ausschließlich technisch sollen nach den Vorstellungen der Wasserwirtschaft die Probleme in ganz Bayern allumfassend durch die geplanten Flutpolder an der Donau gelöst werden.

Mit den derzeitigen Diskussionsforen sollen deshalb die Polder schmackhaft geredet werden und dazu werden Szenarien vermischt, die nichts miteinander zu tun haben, um das Vorgehen in der breiten Bevölkerung zu rechtfertigen.

 

So tragisch für die Betroffenen die jüngsten Ereignisse in Simbach und Triftern sind - Flutpolder an der Donau hätten daran definitiv nichts geändert.

 

Laut den Planungen der bayerischen Staatsregierung sollen Flutpolder die Hochwasserspitze an der Donau kappen - das Wasser in Niederbayern hätten sie aber nicht zurückgehalten. Sämtliche Flutpolder sind jeweils ein regionaler Hochwasserschutz für die Unterlieger, deren Wirkung schon nach 50 km kaum mehr messbar ist. In der Regel sind dies Städte, die in den vergangenen Jahren sträflich und auch unter den Augen der Wasserwirtschaft in Überschwemmungsgebiete gebaut haben.

 

Dafür wird jetzt die „Solidarität“ der kleinen Flächengemeinde eingefordert, die die Flutpolder aufnehmen und ertragen sollen mit all ihren Nachteilen. Die profitierenden Städte halten sich in der ganzen Debatte vornehm zurück.

 

Die Sturzfluten zeigen ganz klar, dass wir mit unserer Forderung "Hochwasserschutz Ja - Polder Nein" recht haben. Man muss Maßnahmen dort ergreifen, wo die Probleme entstehen. Also an jedem kleinsten Rinnsal, Bach und Fluss. Wir brauchen keine Planungen für ein Hochwasser, das als HQextrem alle 1000 Jahre auftritt. Wir brauchen Schutz vor starken Niederschlägen, die jedes Jahr und überall im Land auftreten. Hierzu müssen endlich Untersuchungen begonnen werden, damit dies wichtige Thema endlich angegangen werden kann.

 

Für Katastrophen werden wir niemals ausreichend gerüstet sein und es wird uns nur in Teilen gelingen, diesen vorzusorgen. Den Bürgern aber mit Katastrophenszenarien Angst zu machen, um Flutpolder zu rechtfertigen, kommt einer Lüge nahe, denn sie suggerieren, dass Schäden verhindert werden, welche sie selbst mit dem geplanten Hochwasserschutz nicht verhindern können. Nebenbei vielleicht auch mal gesagt, wenn dieses HQ1000 bei uns auftritt, haben wir andere Probleme als Flutpolder zu füllen, wenn ich die Risikenkarten betrachte.

 

Was aber angesichts ihres Beispieles Sturzfluten und Starkregen nötig ist, ist der effektive Hochwasserschutz vor Ort, ein vorausschauendes Hochwassermanagement, um bekannte und berechenbare Gefahren schnell und effektiv in den Griff zu bekommen. Wobei auch hier der Ehrlichkeit halber gesagt sei, dass der Schutz seine Grenzen hat. Nicht zuletzt werden aber diese Maßnahmen auch der Donau zu Gute kommen.

 

Anerkannte Fachleute bestätigen, dass der Flutpolder nur einer der vielen Bausteine des Hochwasserschutzes ist. Wir sind der Überzeugung, dass der regionale Hochwasserschutz vor Ort in der Verantwortlichkeit der Kommunen, bei dem der Wasserrückhalt kleinteilig auf der Fläche aktiviert wird, der erste Schritt sein muss. Dafür muss Geld zur Verfügung stehen, denn wir Kommunen sind im Gegensatz zum Staat schnell und effektiv in der Abarbeitung unserer Aufgaben, so denn man uns lässt. Letztendlich wird daraus auch ein wichtiger Baustein des Hochwasserschutzes geschaffen.

 

Karl Malz, 1. Bürgermeister Gemeinde Tapfheim

 

 

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