Vortrag Prof. Bernhart
Vortrag Prof. Bernhart.pdf
PDF-Dokument [11.7 MB]

Vortrag von Professor Bernhart über Alternativen zu Flutpoldern und deren Wirksamkeit am 22.10.2015

 

 

 

Der Bund Naturschutz und die Interessengemeinschaft „Hochwasserschutz Ja Polder Nein“ aus Schwenningen und Tapfheim konnten den international anerkannten Fachmann für Wasserbau und Hochwasserschutz Prof. Dr. Ing. habil. H. H. Bernhart von der Universität Karlsruhe für einen Vortrag zum Thema „Alternativen zu Flutpoldern“ am 22.10.2015 gewinnen. Bereits am Nachmittag war Prof. Bernhart bei einem Gespräch im Landratsamt Donau-Ries und danach mit einer Gruppe von Bund Naturschutz, Bürgermeister, Interessengemeinschaft und Betroffenen zu einer Besichtigung des geplanten Poldergebiets vor Ort.
Der  vollbesetzte Saal des Gasthauses Lamm in Schwenningen zeigte dann das Interesse, die Betroffenheit und den Willen der Bürger zum Widerstand zum geplanten Flutpolder Schwenningen/Tapfheim.
Vertreter der Nachbargemeinden, der Landkreise, Interessengemeinschaften, Interessierte und betroffene Bürger waren zugegen um sich zu informieren und mit zu diskutieren.
Mit ihren Protestliedern stimmte das Duo „Max und Uli“ die Anwesenden auf das brisante Thema ein. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Schilling brachte Prof. Bernhart seinen interessanten und informativen Vortrag.
Am Beginn stand die klare Aussage: Wir sind für Hochwasserschutz, aber gegen Polder. Polder wie sie entlang der Donau geplant sind, sind nicht zu vergleichen mit den Fließpoldern am Oberrhein, auch wenn es die Staatsregierung und die Wasserwirtschaftsämter häufig tun.
Der bessere Weg des Hochwasserschutzes wären Deichrückverlegungen, um im Einklang mit der Natur Retention in den Auen zu erreichen. Auenwiederherstellung hat auf Dauer den größten Nutzen. Mit dem Riedstrom bringt unsere Region bereits sehr großes Engagement mit sehr großer Wirkung. Die aufgezeigten Abflussmengen der Zuflüsse zeigen, dass v.a. Iller, Wörnitz und Lech in unserer Region die Ursachen für Hochwasser waren, deshalb muss Hochwasserrückhalt bereits dort geschehen. Mit besserem Staustufenmanagement lassen sich ebenfalls 3-4% Reduzierung erreichen.
Ein Gesamtkonzept aus vielen verschiedenen Maßnahmen, das ganz Bayern mit allen Donauzuflüssen betrachtet, bringt dauerhaft den größten Erfolg.
Die geplanten Flutpolder würden nur die Spitze kappen, haben aber keinen Einfluss auf die zeitliche Verzögerung der Hochwasserwelle. Diese Verschiebung ist aber äußerst wichtig, damit sich die großen Zusammenflüsse nicht überlagern und sich zu einer noch größeren Hochwasserwelle aufbauen. So bringt z.B. der Riedstrom eine Reduzierung um 190m³/s und zusätzlich einen zeitliche Verzögerung von 10 Stunden. Deshalb ist es von ausschlaggebender Bedeutung, dass auch die Zuflüsse mit in das Konzept mit eingebunden werden!
Herr Professor Bernhart zeigte auch keinerlei Verständnis für die Planung, die die Polder bis auf wenige Meter an die bestehende Bebauung vorsieht. Das geplante Konzept, ein Bauwerk für viele Millionen in die Landschaft zu bauen um es dann nur einmal in 100 Jahren zu benutzen ist nach Aussage von H. Prof. Bernhart völliger Quatsch. Es benötigt ständige, teure Pflege, Wartung und Reparatur damit es dann von unseren Urenkeln einmal benutzt werden soll – falls dann noch jemand da ist, der es bedienen kann. Die an der Donau geplanten Flutpolder sind äußerst schwierig zu steuern, da sie abhängig sind von den Vorhersagen über das Wetter und die voraussichtliche Hochwasserwelle. Selbst bei optimaler Steuerung  verlieren die Polder sehr schnell ihre Wirkung und können maximal die nächstgelegene Ortschaft entlasten. Weiter flussabwärts gelegene Ortschaften wie z.B. Regensburg, Deggendorf oder Passau können durch die Polder im Oberlauf der Donau nicht entlastet werden! Durch die oben genannten Alternativen wären jedoch auch für diese Orte eine Verbesserung zu erreichen.
Deichrückverlegung, Einbeziehen der Zuflüsse, der Riedstrom, angepasste Staustufensteuerung und vor allem ein funktionierender Auwald, der auf natürliche Weise, auch für kleinere und mittlere Hochwasserereignisse Entlastung bringt, ist der bessere, ökologische und auf Dauer billigere Weg für den Hochwasserschutz!
Nach der anschließenden Diskussion forderte Bürgermeister Malz in einer mitreißenden Rede nochmals alle zum Widerstand gegen die geplanten Polder auf. Wir müssen bereits in der frühen Phase dagegen kämpfen, denn wenn erst einmal der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, haben wir keine Chance mehr, diese unsinnigen Polder zu verhindern.

 

Gerhard Kaltner
Interessengemeinschaft Hochwasserschutz Ja Polder Nein

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© IG "Hochwasserschutz Ja - Flutpolder Nein"